Diplomarbeit Viola Habicher - Auslaufmodell Friedhof

Akademie der Bildenden Künste Wien
Austria
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Friedhöfe werden oft als Spiegel der Gesellschaft bezeichnet, da die Art des Totengeden­kens viel über Wertevorstellungen einer Gesellschaft aussagt. Welches Bild dieser Spie­gel in Zukunft zeigen wird ist unklar, es scheint wahrscheinlich, dass der Friedhof wie wir ihn heute kennen bald ausgedient haben wird.2 Kommunale Friedhöfe werden den unterschiedlichsten gesellschaftlichen, religiösen und ökologischen Anforderungen und Veränderungen nicht mehr gerecht und konfessionelle und kommerzielle Anbieter treten an ihre Stelle. Eine räumliche Trennung der verschiedenen Bestattungsarten scheint un­ausweichlich.

Als am Beginn des 17. Jahrhunderts der konfessionelle vom kommunalen Friedhof abge­löst wurde, strebte man eine würdige Bestattung für jeden an, unabhängig von Glauben, Herkunft und Vermögen. Im Moment nähert sich die Entwicklung aber wieder antiken Verhältnissen an, als jeder für die Beisetzung seiner Familie selbst zuständig war.3

Der kommunale Friedhof mag in seiner derzeitigen Form nicht mehr zeitgemäß sein, das Fehlen eines kollektiven Ortes der Trauer und Vergänglichkeit und die völlige Privatis­ierung des Todes kann aber nicht die Lösung sein. Denn der Friedhof war und ist ein Ort, der es ermöglicht sich in Beziehung zu vorangegangenen Generationen und ihren Wert­vorstellungen, zu setzen. Denn neben der individuellen Familiengeschichte liegt auf einem Friedhof immer auch ein Stück erfahrbare Kulturgeschichte einer Gesellschaft begraben.

Auf dem Gelände des bestehenden Friedhofs in Hietzing zeigt der Entwurf die Möglichkeit eines neuen, kulturell und rituell vielfältigen Bestattungsraums. Die Verteilung der Bestat­tungsfläche auf mehrere Ebenen entlastet dabei zum einen die, durch Jahrhundertelange Nutzung, angegriffenen Böden und schafft zum anderen eine diverse Stadtlandschaft, die nach wie vor als Ort besonderer Bedeutung begreifbar bleibt. Durch die gleichberechtige Einbeziehung möglichst vieler Weltanschauungen, soll ein realistisches Abbild unserer Gesellschaft auch für nachfolgende Generationen gezeichnet und der Friedhof zur Träger­ebene unserer kulturellen Ablagerungen gemacht werden.

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Institution: Akademie der Bildenden Künste Wien
Diplomarbeit
Semester: 2016
Titel: Auslaufmodell Friedhof
Student: Viola Habicher
Betreuerin: Kathrin Aste

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